Wir feiern heute den Nationalfeiertag.
Wir tun dies in einer Zeit, in der vieles nicht selbstverständlich erscheint. Die Weltwirtschaft steht vor grossen Herausforderungen. In verschiedenen Regionen leiden Menschen unter Krieg und Gewalt aber das soll heute nicht im Mittelpunkt stehen. Aber es erinnert uns daran, wie wertvoll Frieden, Sicherheit und Stabilität sind.
Und es erinnert uns daran, dass Dankbarkeit angebracht ist.
Wir dürfen dankbar sein für unser Land. Wir dürfen stolz sein auf unsere Region. Und wir dürfen ganz besonders stolz sein auf unser Buchsi.
Herzogenbuchsee ist ein relativ kleiner Ort. Aber dieser Ort hat überdurchschnittlich viel hervorgebracht: Schweizer Industriequalität, soziales Engagement, kulturelle Eigenständigkeit und eine beeindruckende Geschichte.
Wenn wir an die Wirtschaft in Herzogenbuchsee denken, sehen wir, wie viel technisches Know-How hier zu Hause ist.
Zum Beispiel bei Heiniger entstehen Schermaschinen, die von Fachleuten weit über die Schweiz hinaus eingesetzt werden. DUAP entwickelt Einspritztechnik für grosse Motoren. Die Unternehmen der FISCHER-Gruppe stehen für Präzisionsspindeln und moderne Brennstoffzellen-Kompressoren. Und die UFA verbindet Herzogenbuchsee mit der Schweizer Landwirtschaft und Tierfutter.
Von der Schermaschine über die Einspritztechnik bis zum Brennstoffzellen-Kompressor: All dies zeigt, was möglich ist, wenn Wissen, Erfahrung, Präzision und Unternehmergeist zusammenkommen.
Hinter jedem dieser Produkte stehen Menschen. Menschen, die entwickeln, planen, rechnen, produzieren, reparieren und ausbilden. Menschen, die jeden Morgen zur Arbeit gehen und Verantwortung übernehmen.
Darauf dürfen wir stolz sein.
Das gilt nicht nur für Herzogenbuchsee. Der ganze Oberaargau ist geprägt von solchen Betrieben: von Landwirtschaft und Gewerbe, von Familienunternehmen und Industriebetrieben, von KMUS und von Menschen, die anpacken, statt nur darüber zu reden.
Eine besondere Stärke unseres Landes ist dabei die Berufsbildung. Unsere Lehrstellen und unser duales Bildungssystem geniessen weltweit einen hervorragenden Ruf. Junge Menschen lernen nicht nur im Schulzimmer. Sie übernehmen früh Verantwortung, arbeiten im Team und erwerben Fähigkeiten, die tatsächlich gebraucht werden.
Eine Lehre z.B. kann der Anfang einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn sein. Wer sich weiterentwickeln will, findet viele Wege.
Diese Durchlässigkeit ist ein grosser Wert. In der Schweiz ist sozialer Aufstieg möglich. Nicht für alle gleich einfach – und auch nicht ohne Leistung und Einsatz.
Auch unsere persönlichen Freiheiten sind kostbar. Wir dürfen unseren Beruf wählen. Wir dürfen entscheiden, welchen Weg wir im Leben einschlagen. Wir dürfen wählen, mit wem wir eine Beziehung führen, wen wir lieben und wie wir unser Leben gestalten wollen. Wir dürfen unsere Meinung äussern, abstimmen und unsere Gemeinde, unseren Kanton und unser Land mitgestalten.
Solche Freiheiten wirken im Alltag manchmal gewöhnlich und selbstverständlich. Sie sind es aber nicht.
Auch kulturell hat Herzogenbuchsee viel hervorgebracht.
Wir denken an die starken Frauen von Buchsi. Frauen wie Amélie Moser, Marie Sollberger, Lina Bögli und Maria Waser zeigten bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert Mut, Tatkraft und gesellschaftliche Verantwortung.
Und wir denken an unsere lange Dorfgeschichte. Herzogenbuchsee wurde bereits im Jahr 886 urkundlich erwähnt. Wir stehen heute auf dem Fundament dieser Generationen.
Doch Stolz darf nicht bedeuten, dass wir uns zurücklehnen.
Was wir haben, bleibt nur erhalten, wenn wir gut dazu schauen und es weiterentwickeln.
Unsere Firmen brauchen gute Rahmenbedingungen, verlässliche Regeln, Fachkräfte und junge Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Unsere Arbeitsplätze bleiben nicht automatisch hier. Unsere hohe Lebensqualität ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit.
Darum müssen wir Prioritäten setzen. Wir müssen uns fragen: Was ist uns wirklich wichtig?
Wollen wir gute Schulen und starke Lehrbetriebe? Dann müssen wir in Bildung investieren.
Wollen wir Arbeitsplätze und innovative Unternehmen? Dann müssen wir Unternehmergeist und Innovation ermöglichen und gleichzeitig Sorge zu unseren Ressourcen tragen.
Wollen wir ein lebendiges Dorf? Dann braucht es Menschen, die in Vereinen, im Gewerbe, in der Kultur, in der Politik und in der Nachbarschaft mitwirken.
Und wollen wir unsere Freiheit bewahren? Dann müssen wir für diese Freiheit einstehen.
Der 1. August ist deshalb nicht nur ein Tag des Stolzes. Er ist auch ein Tag der Dankbarkeit und der Verantwortung.
Seien wir stolz auf Herzogenbuchsee.
Seien wir stolz auf den Oberaargau.
Seien wir dankbar für die Schweiz.
Und tragen wir gemeinsam Sorge dazu, dass auch die nächste Generation sagen kann:
Wir leben in einem Land, das uns Chancen gibt.
In einer Region, die Arbeit und Heimat verbindet.
Und in einem Buchsi, das klein genug ist, um einander zu kennen – und doch gross genug, um weit über seine Grenzen hinaus etwas zu bewegen.