Liber mer Fröide als korektes Schräiben

Warum unsere Kinder wieder richtig schreiben lernen müssen

Die Diskussion um die Rechtschreibung in der Primarschule flammt seit Jahren immer wieder auf – und das zurecht. Der Lehrplan 21 setzt vermehrt auf „Schreiben nach Gehör“. Das bedeutet: Kinder dürfen Wörter so schreiben, wie sie sie hören. „Vogel“ wird zu Fogel, „nichts“ zu Nichz und „Freude“ zu Fröide. Wer das liest, erkennt sofort das Problem.

Der Ansatz soll Kreativität fördern, den Druck herausnehmen und den Schreibfluss der Kinder steigern. Alles hehre Ziele – aber der Preis ist hoch. Studien zeigen klar, dass Schülerinnen und Schüler, die nach diesem Prinzip unterrichtet wurden, am Ende der Primarstufe deutlich mehr Schwierigkeiten beim korrekten Schreiben haben. Und genau hier beginnt das Dilemma.

Gute Absichten – schlechte Resultate

Die Idee hinter „Schreiben nach Gehör“ kommt von pädagogischen Fachleuten, die neue Wege gehen wollten. Doch allzu oft haben sich dabei theoretische Konzepte durchgesetzt, die in der Praxis keinen Bestand haben. Eltern und Lehrpersonen berichten übereinstimmend: Die Kinder bleiben länger unsicher, machen häufiger Fehler und müssen später mühsam umlernen, was sie von Anfang an korrekt hätten lernen können.

Das führt nicht nur zu Frustration bei Eltern und Kindern, sondern auch zu erheblichen Zusatzaufwänden für die Lehrkräfte – und am Ende lernen die Kinder weder schneller noch besser, sondern nur anders.

Altbewährtes verdrängt – ohne Not

Über Generationen hinweg haben Kinder in der Schweiz das Schreiben korrekt von Beginn an gelernt – mit Erfolg. Aus diesen Generationen sind hervorragende Schreiberinnen und Schreiber hervorgegangen, ganz ohne moderne didaktische Experimente. Warum also ein funktionierendes System ersetzen?

Gerade die Grundfertigkeiten – Lesen, Schreiben, Rechnen – brauchen Klarheit und Struktur. Kreativität und Schreibfreude sind wichtig, aber sie blühen erst richtig auf, wenn das Fundament stimmt. Wer unsicher mit der Rechtschreibung ist, schreibt nicht freier, sondern gehemmt.

Zeit für einen Kurswechsel

Nach vielen Gesprächen mit Eltern und Lehrpersonen bin ich überzeugt:
Es ist Zeit, wieder auf das bewährte Schreiblernmodell zu setzen – eines, das den Kindern von der ersten Klasse an die korrekte Rechtschreibung vermittelt.

  • Nicht, um kreativität zu hemmen,

  • nicht, um Leistungsdruck zu erhöhen,
    sondern um den Kindern Werkzeuge in die Hand zu geben, die sie ein Leben lang brauchen.

Denn richtig schreiben zu können ist nicht nur eine Schulkompetenz. Es ist ein Stück Bildung, Kultur und Selbstbewusstsein.

Wir schulden es unseren Kindern

Unser Schulsystem soll Chancen eröffnen, nicht verschliessen. Darum sollten wir den Mut haben, Fehlentwicklungen anzusprechen – und zu korrigieren. Nicht jedes neue Konzept ist automatisch besser. Manchmal ist ein Schritt zurück genau das, was uns vorwärtsbringt.

Ich setze mich dafür ein, dass unsere Kinder wieder das lernen, was ihnen langfristig am meisten nützt: korrektes Schreiben von Anfang an. So fördern wir nicht nur Kreativität, sondern auch Genauigkeit, Sprachkompetenz und Selbstvertrauen.

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